Seminar für Zivilcourage im ASZ Cracau

Foto: Viktoria Kühne

Zu einem Seminar für Zivilcourage lädt das AWO Alten- und Service-Zentrum in der Zetkinstraße 17 am Dienstag, 31. März, im Bürgerhaus Cracau ein.

Was kann man tun, wenn einen eine Situation vielleicht verunsichert, man nicht weiß, wie man eingreifen könnte und man v.a. nicht selbst in Gefahr gerät?

Regionalbeamtin Maja Hendrich wird mit Senior_innen Handlungsschritte entwickeln.

 

Anmeldung bitte bis Sonnabend, 28. März im ASZ: Tel. 835 57 22 oder per Email: asz@awo-kv-magdeburg.de

“Das war eine Selbstverständlichkeit…”

Vier Jugendliche verhindern in Magdeburg eine Vergewaltigung und machen dabei alles richtig

“Gewalt gegen Frauen geht gar nicht.” So einfach begründen die vier Jugendlichen gegenüber der Volksstimme ihre Zivilcourage, mit der sie vermutlich am letzten Wochenende in Magdeburg die Vergewaltigung einer Frau verhindert haben. “Die Jungs haben alles richtig gemacht”, urteilte die Polizei. Wir sehen das auch so, und wollen das genauer ansehen, damit wir alle von den Jugendlichen lernen können:

  • Aufmerksam werden: Die Jugendlichen sitzen in einer Wohnung und hören ungewöhnliche Geräusche. “Wir konnten das erst nicht deuten.” Doch sie schauen nach – und können die Geräusche als Hilferufe deuten.  (Oft scheitert unsere Zivilcourage schon daran, dass wir gar nicht wahrnehmen, was geschieht, oder dass wir das, was wir wahrnehmen, nicht als Notfall interpretieren. “Wird schon in Ordnung sein”, denken wir häufig, anstatt nachzuschauen, was wirklich geschieht.)
  • Aktiv werden: “Als wir die Hilferufe dann ganz deutlich gehört haben, sind wir vor die Tür gerannt.” Die Jugendlichen schauen nicht weg, delegieren die Verantwortung nicht an andere, sondern werden selbst aktiv.
  • Die Polizei rufen: Es klingt so banal, doch oft fehlt es genau daran: Dass jemand zum Handy greift und 110 wählt.
  • Gewalt beenden: Erstes Ziel sollte es sein, das “Opfer” zu schützen und die Gewalt gegen das “Opfer” zu beenden. Die Jugendlichen haben mit ihrem Eingreifen die Frau vor weiterer Gewaltanwendung geschützt.
  • Sich um das “Opfer” kümmern: “Die Frau haben wir beruhigt.” Im Fokus jedes zivilcouragierten Eingreifens sollte die Unterstützung und die Hilfe für das “Opfer” stehen. Oberstes Ziel ist es, Menschen vor Gewalt und Bedrohung zu schützen.
  • Die Polizei unterstützen: Es ist erlaubt, in einem solchen Fall eine_n Täter_in vorläufig festzuhalten, bis die Polizei kommt. Dieses sog. “Festnahmerecht für jedermann” ist in der Strafprozessordnung §127 geregelt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen zivilcouragiert eingreifen, ist am größten, wenn eine Gruppe von Freund_innen gemeinsam in eine solche Situation kommt. Denn diese können sich problemlos untereinander absprechen und vertrauen sich. Ein schnelles Handelns wird so möglich.

Übrigens ist dies nicht der erste Fall, in der zivilcouragiertes Handeln wahrscheinlich Sexualstraftaten verhindern konnte. In unserer Rubrik “Zivilcourage funktioniert” haben wir drei weitere Fälle dokumentiert: zwei Auszubildende reagierten auf lautes Rufen, eine Frau mischte sich laut ein und die Aufmerksamkeit zweier Männer verhinderte vermutlich eine Sexualstraftat an zwei Mädchen.

“Das war eine Selbstverständlichkeit”, sagte einer der Jugendlichen aus Magdeburg. Ob das auch in anderen Situationen gilt, liegt auch an uns und unserem Verhalten.

„Courage!Congress“ gründet bundesweites Netzwerk

Heppenheim, 28. Oktober 2014

Mit klarer inhaltlicher Abgrenzung verurteilen die TeilnehmerInnen des 2. Bundeskongress Zivilcourage in Heppenheim die während der gewalttätigen Kundgebung „Hooligans gegen Salafisten“ am 26. Oktober in Köln entrollten Transparente mit dem Schriftzug „Zivilcourage für Deutschland“.

Die TeilnehmerInnen des „Courage!Congress“ 2014 weisen ausdrücklich darauf hin, dass Zivilcourage stets mit sozialem Mut, Toleranz und Respekt verbunden ist, sowie auf einer demokratischen Grundhaltung basiert, in einer Gesellschaft, deren Miteinander auf gegenseitige Akzeptanz ohne Vorurteile und Diskriminierung von Minoritäten fußt.

Die TeilnehmerInnen des Kongress sind sich ebenso einig, dass sich ihre Kritik sowohl gegen die missverständliche Nutzung des Begriffs „Zivilcourage“ durch die VeranstalterInnen von „Hooligans gegen Salafisten“ als auch gegen die dort im Focus stehende Salafistengemeinde richtet, deren Ziele ebenfalls nicht mit den Grundlagen einer zivilcouragierten Gesellschaft vereinbar sind.

Der „Courage!Congress“ 2014 fand vom 27.-28. Oktober in Heppenheim statt. Mehr als 40 VertreterInnen von Organisationen, Vereinen, Verbänden und Behörden aus dem gesamten Bundesgebiet diskutierten über Strategien, Handlungsmöglichkeiten und Utopien, um „Zivilcourage“ stärker in der Öffentlichkeit zu verankern und die Gesellschaft für ein friedliches und solidarisches Miteinander zu sensibilisieren. Ausgehend von Impulsen des Tübinger Zivilcourage-Experten Prof. Gerd Meyer loteten die TeilnehmerInnen zudem Möglichkeiten „auf dem Weg zu einer couragierten Zivilgesellschaft“ aus.

Als konkreter Beschluss wurde übereinstimmend die Gründung eines bundesweiten Netzwerks verabschiedet, um Kompetenzen zu bündeln, den Austausch untereinander zu optimieren und das Netzwerk in weitere Bereiche der Gesellschaft zu erweitern.

Der 3. Bundeskongress „Courage!Congress“ wird 2015 in Bayern stattfinden.

“otto greift ein” war selbstverständlich mit dabei und engagiert sich in der bundesweiten Netzwerkarbeit. Zahlreiche Partner in anderen Regionen finden Sie hier.