“Das war eine Selbstverständlichkeit…”

Vier Jugendliche verhindern in Magdeburg eine Vergewaltigung und machen dabei alles richtig

“Gewalt gegen Frauen geht gar nicht.” So einfach begründen die vier Jugendlichen gegenüber der Volksstimme ihre Zivilcourage, mit der sie vermutlich am letzten Wochenende in Magdeburg die Vergewaltigung einer Frau verhindert haben. “Die Jungs haben alles richtig gemacht”, urteilte die Polizei. Wir sehen das auch so, und wollen das genauer ansehen, damit wir alle von den Jugendlichen lernen können:

  • Aufmerksam werden: Die Jugendlichen sitzen in einer Wohnung und hören ungewöhnliche Geräusche. “Wir konnten das erst nicht deuten.” Doch sie schauen nach – und können die Geräusche als Hilferufe deuten.  (Oft scheitert unsere Zivilcourage schon daran, dass wir gar nicht wahrnehmen, was geschieht, oder dass wir das, was wir wahrnehmen, nicht als Notfall interpretieren. “Wird schon in Ordnung sein”, denken wir häufig, anstatt nachzuschauen, was wirklich geschieht.)
  • Aktiv werden: “Als wir die Hilferufe dann ganz deutlich gehört haben, sind wir vor die Tür gerannt.” Die Jugendlichen schauen nicht weg, delegieren die Verantwortung nicht an andere, sondern werden selbst aktiv.
  • Die Polizei rufen: Es klingt so banal, doch oft fehlt es genau daran: Dass jemand zum Handy greift und 110 wählt.
  • Gewalt beenden: Erstes Ziel sollte es sein, das “Opfer” zu schützen und die Gewalt gegen das “Opfer” zu beenden. Die Jugendlichen haben mit ihrem Eingreifen die Frau vor weiterer Gewaltanwendung geschützt.
  • Sich um das “Opfer” kümmern: “Die Frau haben wir beruhigt.” Im Fokus jedes zivilcouragierten Eingreifens sollte die Unterstützung und die Hilfe für das “Opfer” stehen. Oberstes Ziel ist es, Menschen vor Gewalt und Bedrohung zu schützen.
  • Die Polizei unterstützen: Es ist erlaubt, in einem solchen Fall eine_n Täter_in vorläufig festzuhalten, bis die Polizei kommt. Dieses sog. “Festnahmerecht für jedermann” ist in der Strafprozessordnung §127 geregelt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen zivilcouragiert eingreifen, ist am größten, wenn eine Gruppe von Freund_innen gemeinsam in eine solche Situation kommt. Denn diese können sich problemlos untereinander absprechen und vertrauen sich. Ein schnelles Handelns wird so möglich.

Übrigens ist dies nicht der erste Fall, in der zivilcouragiertes Handeln wahrscheinlich Sexualstraftaten verhindern konnte. In unserer Rubrik “Zivilcourage funktioniert” haben wir drei weitere Fälle dokumentiert: zwei Auszubildende reagierten auf lautes Rufen, eine Frau mischte sich laut ein und die Aufmerksamkeit zweier Männer verhinderte vermutlich eine Sexualstraftat an zwei Mädchen.

“Das war eine Selbstverständlichkeit”, sagte einer der Jugendlichen aus Magdeburg. Ob das auch in anderen Situationen gilt, liegt auch an uns und unserem Verhalten.